AKTUELLE NEUERSCHEINUNG

Der klare Blick
Mit dem Wissen des Profilers Lügen entlarven
und richtige Entscheidungen treffen


Taschenbuch
282 Seiten / 12,6 x 2,4 x 19,1 cm
ISBN 978-3426787625
€ 9,99


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Leseprobe

Vorwort

Jeder Mensch verfügt über eine bestimmte Alltagspsychologie, die ihn dazu befähigt, eigenes Erleben und fremdes Verhalten zu beschreiben, zu erklären und zu prognostizieren. So gelingt es uns beispielsweise, Menschen, die wir kennenlernen, schnell einzuschätzen, oder uns in neuen, vergleichbaren Situationen adhoc zurechtzufinden, weil es tatsächlich entsprechende Gesetzmäßigkeiten und Häufigkeitsverteilungen gibt. Diese unbestreitbaren Kompetenzen basieren im Wesentlichen auf überlieferten Erfahrungen, Verallgemeinerungen und persönlichen Überzeugungen, die durch lebenslange Lern- und Anpassungsvorgänge erworben und verfeinert werden. Bewusst sind uns diese Abläufe vielfach nicht, wir handeln eher intuitiv, systematisch und fühlen uns dadurch auch sicher.

Nur hat die Sache einen Haken. Denn Teile des Alltagswissens gelten zwar allgemein als gesichert bzw. zutreffend, nur sind sie es nicht, jedenfalls dann nicht, wenn man sie kritisch hinterfragt. Glauben Sie auch, dass Frauen mehr reden als Männer? Stimmt nicht. Wissenschaftler haben nämlich herausgefunden, dass Mann und Frau etwa gleich viel reden. Oder meinen Sie nicht auch, dass Pubertierende zu befremdlichen Verhaltensweisen neigen und gegen Autoritäten chronisch aufbegehren? Falsch. Denn nachgewiesen ist, dass nur etwa 20 Prozent der pubertierenden Kinder und Jugendlichen sich so oder so ähnlich verhalten. Und nehmen nicht auch Sie an, Hochbegabte seien verhaltensauffällige, soziale Außenseiter? Irrtum. Mittlerweile belegen wissenschaftliche Studien, dass sich hochbegabte von normalbegabten Schülern weder durch ihre Persönlichkeit noch durch ihr Sozialverhalten signifikant unterscheiden.

Überhaupt zweifeln immer mehr Menschen an der Verbindlichkeit wissenschaftlicher Erkenntnis und vertrauen eher bunten, pseudo-plausiblen Behauptungen oder entwickeln Meinungen auf der Grundlage von Vorurteilen bzw. Vorverurteilungen, die heutzutage im Internet rasend schnell und besonders wirksam verbreitet werden - dort steht der gröbste Unfug gleichrangig neben der profunden Expertenmeinung. Im Netz konkurrieren Erkenntnis und Unkenntnis unerbittlich miteinander, Genie und Wahnsinn sind mitunter nicht mehr zu unterscheiden, erste Konturen einer allgemeinen Desorientierung und Verunsicherung werden erkennbar.

Kehren wir in die computerfernen Niederungen des alltäglichen Daseins und Soseins zurück, drohen wir auch hier tagtäglich Opfer unserer eigenen Alltagspsychologie zu werden, die uns zwar einerseits handlungsfähig und handlungssicher macht, aber im Einzelfall dramatisch scheitern lässt. Denn die so vertrauten und liebgewonnenen stereotypen Denkstrukturen bedingen immer auch eine subjektiv eingefärbte Wahrnehmung, die eigene Person wird zum alleingültigen Maßstab verklärt und produziert Selbsttäuschungen, die vielfach als falsche Einschätzung bzw. Entscheidung nicht erkannt werden (können), weil es (zunächst) keine korrigierenden Rückmeldungen gibt. Ob wir beispielsweise das richtige Auto gekauft, die richtige Frau geheiratet, den richtigen Beruf ergriffen oder unser Geld richtig angelegt haben, erkennen wir häufig erst dann, wenn es zu spät ist - aber bis dahin sind wir fest davon überzeugt, das Richtige getan zu haben, weil wir unserer eigenen Disposition bzw. Erwartungshaltung entsprechend vorgegangen sind.

Es wird schon gutgehen, hoffen viele, und rechtfertigen damit stereotype Verhaltens- und Entscheidungsmuster. Der persönliche Misserfolg wird so häufig zum verlässlichen und unbequemen Wegbegleiter. Doch erstaunlicherweise ist kaum jemand zu Veränderungen seiner Einstellungen und seines Tuns bereit, sich selbst infrage zu stellen, wenn der Erfolg ausbleibt, wenn immer wieder Fehleinschätzungen und Fehlschläge passieren. Es hat den Anschein, als sitze man in einer Art Erfahrungsfalle fest, mangelnde Vorstellungskraft für Innovatives und die damit einhergehende Verunsicherung sind hohe Hürden, vor denen viele Menschen zurückschrecken. Es fehlt an Perspektiven und Alternativen, einer bewährten Methodik, um die Dinge des Lebens auch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Während wir in der wissenschaftlichen Psychologie auf gesicherte Erkenntnisse und ausgefeilte Methoden zurückgreifen können, fehlt es daran bei der Profilierung des Alltags; genau dieses Manko ist einer der wesentlichen Gründe dafür, warum wir uns bei der Bewältigung von Alltagsproblemen so häufig irren und so viele falsche Entscheidungen treffen, allein Erfahrung und Intuition reichen eben nicht aus, um sich in der bunten Welt der Werbung, des Verkaufs, der Versicherungen oder der Banken behaupten zu können, Gleiches gilt für alle anderen Lebensbereiche. Unser Lebensweg ist aus diesen Gründen mehr ein Irrweg, eine beliebig anmutende Verkettung von (un-)glücklichen Umständen. Dabei könnten wir uns viel Leid, großen Ärger und so manche Peinlichkeit ersparen, wenn wir uns der eigenen Limitiertheit bewusster werden, aber auch tradierte Handlungs- und Entscheidungsstrukturen infrage stellen würden.

Kriminalisten haben weltweit über Jahrhunderte hinweg mit vergleichbaren Problemen zu kämpfen gehabt. Denn im Vordergrund stand bei der Verbrechensaufklärung traditionell der gerichtsverwertbare Tatnachweis und eben nicht die vollständige geistige Durchdringung eines Kriminalfalls, insbesondere des Täter- und Opferverhaltens. Erst als eine Handvoll Beamter des nordamerikanischen Federal Bureau of Investigation (FBI) Mitte der 1980er Jahre das "Crime Profiling" entwickelten, änderte sich etwas Grundlegendes: die kriminalpsychologisch angelegte Fallanalytik wurde als Methode eingeführt und existierte fortan gleichberechtigt neben der naturwissenschaftlich geprägten Fallbearbeitung. Mittlerweile haben sich viele Skeptiker überzeugen lassen, das "Profiling" gehört nun nicht zuletzt aufgrund spektakulärer Erfolge zum Standardrepertoire moderner Verbrechensbekämpfung.

Diese noch so junge wissenschaftlich ausgerichtete Disziplin hat auch mich überzeugt, nachdem sie von mir in diversen Kriminalfällen mit zum Teil verblüffendem Erfolg umgesetzt worden ist. Dabei habe ich gelernt, ein inkriminiertes Ereignis aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und mir eine neue Denk- und Vorgehensweise anzugewöhnen. Ich habe aber auch verinnerlicht, dass sich Erfahrungswissen nur im gegenwärtigen Handeln entwickeln lässt, nicht notwendigerweise im vergangenen. Nicht es musste sich ändern, sondern ich. Irgendwann begann ich damit, die Grundsätze des "Profilings" auch auf nichtdienstliche Aspekte anzuwenden: mein Privatleben. Anfangs war ich doch eher skeptisch. Denn warum sollten sich Methoden der Kriminalitätsbekämpfung auch in anderen Lebensbereichen bewähren? Schließlich dreht es sich im Privaten regelmäßig nicht um Verbrechen, auch nicht um verbrecherisches Verhalten. Doch die Problemstellungen und die sich daraus ergebenden Fragestellungen sind sowohl bei der Bekämpfung der Kriminalität als auch bei der Problemlösung innerhalb der Privatsphäre durchaus vergleichbar: Was ist wahr, was ist unwahr? Was steckt hinter der Fassade? Ist ein Verdacht berechtigt? Wie enttarne ich einen Lügner? Welche Entscheidung ist die richtige? Wie komme ich zu einer gesicherten Prognose? Genau an dieser Schnittstelle versuche ich mit dem vorliegenden Buch bestimmte Methoden der Verbrechensbekämpfung alltagstauglich werden zu lassen: "Private Profiling". Viele kriminalistisch-kriminalpsychologische Verfahren, mit denen ich sie vertraut machen werde, zählen zum Handwerkszeug des "Crime Profilers" (zu Deutsch: "Fallanalytiker"), allerdings ist das private Profilieren im Sinne eines Baukastensystems zu verstehen, das auf den Einzelfall zugeschnitten und ggf. zu modifizieren ist. Im Kern geht es darum, mehr zu erkennen als die Oberfläche einer Person oder Situation und sich nicht allein auf fragwürdig starre Bewertungsschemata zu verlassen, sondern bei Lebenssachverhalten auf der Grundlage objektiver Daten ein neues Fallverständnis zu entwickeln und sinnlogische Strukturen zu erkennen: die Besonderheit des Einzelfalls. Dabei möchte ich Sie keinesfalls belehren, sondern aufklären, inspirieren, sensibler machen und Ihre bereits vorhandenen Problemlösungskompetenzen stärken.

Ich habe mich bei meinem Angebot für Sie auf solche Lebensbereiche beschränkt, die für jedermann interessant und relevant sind: Familie, Ehe, Beruf. Damit Sie nachvollziehen können, woher die Methoden ursprünglich stammen und dass sie erfolgreich Anwendung finden, habe ich jedem Kapitel einen entsprechenden Kriminalfall vorangestellt. Abgerundet wird meine Offerte mit Checklisten, die Sie bitte als Orientierungshilfe und Handlungsanleitung verstehen, aber auch als Qualitätsstandard.

Sie müssen als "Private Profiler" weder besonders gebildet noch besonders intelligent sein. Allerdings warne ich vor übertriebener Hoffnung auf schnellen Erfolg, Sie werden sich zunächst mit den Themen intensiv auseinandersetzen müssen und gelegentlich Schiffbruch erleiden. Beharrlichkeit und Methodentreue sind zwei wesentliche Voraussetzungen, die Sie zu erfüllen haben werden. Und dann müssen Sie sich nur noch trauen!


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