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Wenn Frauen morden

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www.nahaufnahmen.ch, Oktober 2008
Von Stefanie Feineis.

Von der Mutter zum Monster?

Eine Mutter erstickt ihr neugeborenes Kind. Nach zehn Jahren Ehe ermordet die nach aussen hin ruhige Frau plötzlich ihren Ehemann. Taten wie diese schockieren uns, rütteln uns auf. Was jedoch steckt dahinter?

Mord und Totschlag gehören schon lange zu unserem Alltag. Meist finden sich in Zeitungen nur noch kleine Artikel, kurze Polizeiberichte, in denen wir erfahren, dass eine weitere Messerstecherei, ein weiterer blutiger Ehestreit ein oder mehrere Menschenleben gekostet hat. Ganz anders liegt die Sache allerdings, wenn es sich bei der Täterin um eine Frau handelt.

Frauen töten nicht
Seit Urzeiten scheint sich ein Grundsatz in unseren Köpfen zu halten: Frauen schenken Leben, nicht Tod. Die Statistik scheint diese Vorstellung zu untermauern: Männer töten um ein vielfaches häufiger, Serienmörderinnen oder Triebtäterinnen existieren kaum. Dies trägt noch dazu bei, dass solche Fälle es stets auf die Titelseiten der Zeitungen und auf eine prominente Position in den Nachrichten bringen. Zudem werden Mörderinnen oft erst nach langwierigen Ermittlungen gefasst. Weigern wir uns automatisch, eine Frau des Mordes zu verdächtigen, oder töten Frauen raffinierter, geplanter?

Mitschuld der Gesellschaft?
Der Autor versucht, durch die genaue Darstellung sechs verschiedener Fälle Antworten auf all diese Fragen zu geben. Besondere Aufmerksamkeit widmet er dabei der Theorie, dass auch unsere Gesellschaft dazu beiträgt, aus liebenden Ehefrauen und Müttern scheinbar eiskalte Mörderinnen werden zu lassen. Anstatt solche Frauen einfach als "Verrückte" und "Monster" abzustempeln, muss man vielfach den genauen Hintergrund der Tat in Betracht ziehen. Oft waren diese Frauen selbst Opfer, bevor sie zu Täterinnen wurden. Der grosse Verdienst des Verfassers ist es, diese Hintergründe aufzuzeigen, ohne dabei die Taten um jeden Preis zu rechtfertigen oder der Sensationslust zu verfallen.

Ein Experte als Autor
In nahezu jedem Satz dieses Buches fällt auf, dass Stephan Harbort genau weiss, wovon er schreibt. Es ist nicht nur selbst Kriminalhauptkommissar, sondern entwickelte international anerkannte Fahndungsstrategien zur Überführung von Serientätern mit. Zudem ist er als Fachberater bei TV- und Radiodokumentationen und sogar bei Krimiserien und Kinofilmen bekannt. Wie kein anderer schafft er die Balance zwischen detailgenau recherchierter Dokumentation und spannender Unterhaltung. Kein Wunder, dass seine zahlreichen Bücher zu Bestsellern wurden.

Eine brilliant recherchierte Dokumentation, die einem die Augen öffnet, und sich gleichzeitig liest wie ein guter Krimi.


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