Pressespiegel (Auswahl)
Rezensionen

Der Liebespaar-Mörder

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www.krimigalerie.de, März 2006
Von Suchtarzt

Kennen sie Gremlins ? Das sind diese kleinen fiesen Biester aus mehreren amerikanischen Filmen, äh, schätze 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Eine Art Kobold mit allerlei Unsinn im Kopf und einer sehr gemeinen Art mit Mitmenschen umzugehen. Einer dieser Gremlins wohnt nun bei mir zuhause, nennt sich Melissa und tarnt sich als Kleinkind. Tarnung wohlgemerkt, denn ich habe sie schon lange durchschaut... Was bitte hat diese leicht paranoide Eröffnung mit dem "Liebespaar-Mörder" zu tun, werden sich der ein oder andere überwiegend realitätsbezogene Leser gelangweilt fragen. Ziemlich viel, würde ich mit bebender Stimme antworten und anklagend in Richtung Kinderzimmer blicken, wo schon wieder verdächtige Geräusche... na ja, jedenfalls las ich vor vielen Monaten ein Buch. Es war ein gutes Buch, ein spannendes, gut recherchiertes Buch, eines, wie man es sich als Krimileser halt wünscht. Es handelt von einer ziemlich spektakulären Mordserie in der 50er Jahren in der alten Bundesrepublik Deutschland. Insgesamt vier Liebespaare wurden getötet, alle unter mehr oder weniger bestialischen Umständen. Der Autor Stephan Harbort kennt sich offensichtlich mit Morden aus, ist er laut Buchbeschreibung "Dipl. Verwaltungswirt, Kriminalhauptkommissar, langjähriger Lehrbeauftragter an der FH-Düsseldorf, anerkannter Serienmord-Experte". Ausserdem ein ziemlich guter Schreiber. Nicht laut Buchbeschreibung sondern laut mir. Mit sehr viel stilistischem Gespür beschreibt der Autor die Umständer der (realen) Taten, Ermittlungsergebnisse, Spekulationen, Reaktionen der Menschen damals. Er bleibt dabe stets dokumentarisch, ohne jemals langweilig zu werden, was an sich schon Kunst genug ist. Er verbindet dabei auch eigene Analysen und Erwägungen mit den damaligen Fakten, ohne besserwisserisch zu wirken. Ein gutes, solides, spannendes, realitätsnahes Buch. Aber ich schweife ab, wo waren wir...ach, bei den Gremlins. Nun, jedenfalls kam ich bislang nie in den Genuss, dieses Buch ganz zu Ende zu lesen oder zu rezensieren, weil besagter Kobold es irgendwann wegzauberte. Und es war verschwunden. Offenbar können Gremlins Dinge IRGENDWOHIN zaubern. Vor wenigen Tagen dann entdeckte ich das Buch wieder, es lag IRGENDWO, also genau dort, wo der Gremlin es hingezaubert hatte. Und endlich komme ich in den Genuss, dieses hervorragende Werk zu Ende zu lesen und zu rezensieren. Wenn sie es nicht schon längst getan haben, da es mittlerweile über ein Jahr alt ist: Lesen sie es, sie werden es nicht bereuen.


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