html> Stephan Harbort - Kriminalist & Autor

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Ich liebte eine Bestie

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www.berlinkriminell.de, September 2009
von Barbara Keller

Stephan Habort, "Ich liebte eine Bestie"

Seit mindestens fünf Jahren publiziert der inzwischen bekannte und anerkannte Serienmordexperte Stephan Habort zum Thema Serienmord. 2004 debütierte er mit einem Porträt des Serientäters Joachim G. Kroll, der zwischen 1955 und 1976 im Ruhrpott sein Unwesen trieb, und nannte sein Buch, den Täter zitierend: "Ich musste sie kaputt machen". Jetzt widmet sich der Düsseldorfer Kriminalist, nachdem er sich auch mit den Opfern und deren Hinterbliebenen auseinandersetzte, dem familiärem Umfeld der Täter, sprich deren Partnerinnen...

Stefan Habort lässt keine Frage offen. Jedenfalls was das Thema Mord in Serie betrifft. Anfang der 90er begann er damit, die Fälle zu beschreiben, zweifelt mit "Der Liebespaarmörder" an der Verurteilung des 'Mannes mit der steinernen Maske' und beginnt 2006 mit dem Versuch einer Systematisierung von Täterprofilen.

Haben Serienmörder ein Beuteschema? Gibt es eine Option der Prävention, gibt es das typische Serienmordopfer oder einen Menschen hinter der 'Bestie'? Das sind Fragen, die Stephan Habort, der dabei die schauerlichsten Fälle nachzeichnet, ausführlich behandelt. Dafür recherchierte der Autor akribisch, sprach selbst mit verurteilten oder bereits wieder entlassenen Tätern, Opfern, Angehörigen. In dem jetzt vorliegenden Band will der Autor wissen: Was ist mit den weiblichen Verwandten der Gewalttäter? Sind sie nicht schuld oder mindestens genauso kaputt wie der Delinquent? Die Mutter, die Gattin, Geliebte? Sie mussten doch etwas wissen oder ahnen.

Sie heißen Simone und Eberhard, Klaus und Diana, Sarah und Norman, Magda und Ewald oder Jasmin und Jens. Sie haben eines gemeinsam: Sie liebten auf die eine oder andere Weise einen Mann, der sich nebenher kontinuierlich damit beschäftigte, andere Frauen zu schänden, verstümmeln und umzubringen. Die Medien nannten ihre Partner 'Dr. Mord', den 'Würger von Aachen', den 'Schlächter von Stuttgart'. Eines Tages standen die Herren mit der Kennmarke des Landeskriminalamtes vor der Haustür und begehrten, den Herren des Hauses zu sprechen. Manche Gattin fiel da aus allen Wolken. Aber die eine oder andere hatte nicht nur etwas geahnt, sondern sogar ein wenig mitgeholfen.

Acht solcher skurrilen Partnerschaften, beziehungsweise Symbiosen, geht Autor Stephan Habort nach. Beziehungen, die authentisch aber anonym bleiben sollen. Soweit es bei diesen spektakulären Fällen überhaupt möglich ist. Dem Autor ist es gelungen, empathisch Täter und Partner nachzuzeichnen und wahrt dabei die notwendige Distanz. Wie weit sich der Leser auf die fließenden Übergänge zwischen 'Normalität' und Destruktion einlassen will, bleibt ihm überlassen. Das Buch ist, das sei vorausgesagt, wieder harte Kost. Die Rezensentin fragt sich nun: wird es auch ein Buch über die Väter der Täter geben oder führt in diesen Steinbruch kein Weg?


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