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Mörderisches Profil

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Hessischer Rundfunk - Hauptsache Kultur - 26.10.2002

Serienmörder im Profil: Ein Buch gibt Auskunft


Wochenlang hat ein unheimlicher Heckenschütze die Bewohner der Region Washington terrorisiert. Mehr als zehn Menschen sind ihm zum Opfer gefallen. Die Fahndung lief auf Hochtouren. Unterstützt wurden die Spezialisten des FBI von so genannten Fallanalytikern, die ein psychologisches Täterprofil erstellen, um Serienmördern auf die Spur zu kommen.

In Deutschland ist Stephan Harbort Experte für das Profiling. Sein Buch „Mörderisches Profil - Phänomen Serientäter“ ist soeben im Militzke-Verlag erschienen.

Serienmorde sind besonders verstörend, weil die Opfer auf den ersten Blick zufällig ausgewählt werden. Doch fast immer steckt hinter der Tat ein Prinzip, ein Muster, das die Ermittler zu erkennen versuchen. Dabei bedienen sie sich des Profilings, einer Methode, die Rückschlüsse auf die Psyche des Täters zulässt und die Eingrenzung der Verdächtigen erleichtert. Profiler analysieren anhand von Spuren, Verletzungen an der Leiche und Tatortauffälligkeiten den Tathergang und das Motiv. Das Verfahren wurde Anfang der 80er Jahre von Robert Ressler entwickelt, dem damaligen Leiter der Abteilung Verhaltenforschung des FBI. Seit Jahren wird es auch vom Bundeskriminalamt angewandt.

Stephan Harbort ist allerdings davon überzeugt, dass sich die nordamerikanische Methode nicht ohne weiteres auf europäische Verhältnisse übertragen lässt. Der Düsseldorfer Kriminalist weiß, wovon er spricht. Für seine im vergangenen Jahr erschienene Studie „Das Hannibal-Syndrom“ hat er die Verbrechen von rund 80 Serientätern seit Gründung der Bundesrepublik untersucht. Sechs Jahre lang wertete er Obduktionsberichte, Vernehmungsprotokolle sowie Prozessakten aus und interviewte zahlreiche Gewaltverbrecher in ihren Hochsicherheitszellen. Das erschreckende Fazit seiner Forschungen: In Deutschland sind bis zu sieben Serientäter auf freiem Fuß.

Auf seinen umfangreichen Recherchen basiert auch das zweite Buch „Mörderisches Profil“ . Darin stellt er neue Fahndungsmethoden vor, darunter die von ihm entwickelte „fallorientierte Rasterfahndung“, und erläutert die Bedeutung von Handlungsmustern für die Prognose weiterer Taten. Außerdem geht er der Frage nach, ob die Gewaltdarstellung in den Medien Serientäter zu ihren Verbrechen provoziert - nicht nur angesichts der Berichterstattung über den „Sniper von Washington“ eine hoch brisante Überlegung.

Stephan Harbort, Jahrgang 1964, ist Kriminalhauptkommissar und war von 1996 bis 2000 Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Düsseldorf. Mit seiner Entwicklung des empirischen Täterprofils von Serienkillern sorgte er europaweit für Aufsehen. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze und Vorträge verfasst und ist Berater für TV-Dokumentationen und Krimiserien.


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