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Rezensionen

Das Serienmörder-Prinzip

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Westdeutsche Zeitung, 12.10.2006

KULTUR in DÜSSELDORF
Buchkritik: Zwischen Mensch und Monster

Der Düsseldorfer Kriminalkommissar Stephan Harbort versucht in "Das Serienmörder-Prinzip", Gemeinsamkeiten in Täterprofilen zu entschlüsseln.

Düsseldorf. Serienmörder - ein Wort, das Ängste schürt, aber auch eine unglaubliche Faszination ausübt. Denn was treibt Männer und Frauen, die immer wieder töten, zu ihren grausamen Taten? Der Düsseldorfer Kriminalkommissar Stephan Harbort hat sich in seinem neuen Werk "Das Serienmörder-Prinzip" auf die Suche nach Ursachen für das Böse im Menschen gemacht.

Das Buch ist das Ergebnis 15-jähriger Forschungsarbeit. Harbort stellt die spektakulärsten Fälle vor und begibt sich dem Phänomen Serienmord auf die Spur. Dabei deckt er Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zwischen den zu lebenslanger Haft Verurteilten auf. Spannend wie ein Thriller und ohne voyeuristisch zu werden, blickt er in die Seele von Serienmördern und Triebtätern.

Wie der von Christa Lehmann, die ihre Ehemänner und ihren Vater mit dem Pflanzengift E605 vergiftete, oder der von Wolfgang Peters, der neun Frauen grausam tötete. Schonungslos und ohne die eingebauten Interview-Passagen sprachlich zu verändern, lässt er die Täter selbst zu Wort kommen. Einigen der porträtierten Schwerverbrecher widmet er sich ausführlicher, andere Schicksale wiederum reißt er nur kurz an. Und hinterlässt Sätze, die beim Leser einfach nur blankes Entsetzen auslösen.

So wie die von Maximilian Gruber, der Ende der 80er Jahre drei Prostituierte erdrosselte: "In allen Fällen war dieser Drang zum Würgen da. Ich weiß aber nicht, wie ich diesen Drang näher beschreiben soll. Ganz plötzlich habe ich den Drang verspürt und gedacht: Die Frau musst du jetzt würgen!"

Was am meisten erschüttert, ist jedoch die Tatsache: Die Grenzen zwischen Mensch und Monster sind häufig fließend. So führen die späteren Täter ein scheinbar normales Leben, sind Nachbarn, Brüder, Skatkumpel. Sie sind aber auch Einzelgänger, gelten häufig als Verlierer und leiden an einer schweren Persönlichkeitsstörung. Selbst vor der beängstigenden Frage "Kann jeder ein Serienmörder werden?" scheut Harbort nicht. Bei der Beantwortung soll der Code am Ende des Buches helfen: Sieben Phasen, die jeder Killer durchläuft, bis sein Handeln zur tödlichen Serie wird.

Zwar hätte eine etwas stringentere Gliederung dem Werk durchaus gut getan, doch verbindet der Kriminalkommissar geschickt wissenschaftliche Akribie mit kriminalistischer Spannung. Harbort will mit seinem Buch dazu beitragen, dass "es nicht immer wieder und so häufig zu solchen furchtbaren Taten kommt. Dass Warnsignale sichtbar werden." Ein hoher Anspruch - den er hoffentlich erfüllen kann.


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